MAURITIUSGALERIE – EMPTY_ROOMS

NIZZA DES NORDENS ZEIGT:

EMPTY_ROOMS | Beleuchtung des scheinbar Unscheinbaren

NIZZA DES NORDENS | DIE TEMPORÄRE KUNSTHALLE ZUM ASRM 2011

26. August - 20. September 2011 

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OLIVER FLUCK FOTOGRAFIE zum Thema EMPTY_ROOMS

EMPTY_ROOMS ist eine Ausstellung anlässlich des ASRM 2011 zum Thema Architektur und Aktuelle Kunst in der Mauritiusgalerie Wiesbaden.

Im Kunstmarkt junge, wie auch etablierte Künstler beleuchten die scheinbar triste Leere von Räumen und heben das Unscheinbare in den Focus des Betrachters – ein Fest der Poesie und der Freude am Umbruch.

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EMPTY_ROOMS ist ein Ausstellungsprojekt von NIZZA DES NORDENS und präsentiert ein künstlerisches Spannungsfeld aus Videokunst, Installation, Fotografie und Objektkunst.

Die teilnehmenden Künstler 431ART, Peter Braunholz, Oliver Fluck, Joachim Hildebrand, Marc Peschke, Ralf Kopp, Christof Mattes, Christine Straszewski und Thomas Wunsch zeigen ihren Blick leerer, inszenierter Räume und weiterführend freie Arbeiten zum Thema Architektur.

EMPTY_ROOMS ist über den ASRM 2011 hinaus bis zum 20.09.2011 von Dienstag bis Samstag von 16-20 Uhr für Sie geöffnet.

Mehr Informationen zum Architektursommer Rhein-Main 2011 finden Sie hier.

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Programm EMPTY_ROOMS:

_KAMMERSPIEL ZU GAST BEI EMPTY_ROOMS

_6 Gramm Caratillo von Horst Bienek

_wird aufgeführt am: Fr, 9.9.11 und Fr,16.9.11

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EMPTY_ROOMS | Beleuchtung des scheinbar Unscheinbaren

NIZZA DES NORDENS | DIE TEMPORÄRE KUNSTHALLE ZUM ASRM 2011

26. August - 20. September 2011 

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Grand Opening:

Freitag, 26. August 2011

Eröffnungslaudatio: OB der Landeshauptstadt Wiesbaden Dr. Helmut Müller

Die einführenden Worte zum künstlerischen Schaffen hält Dr. Roland Held, Kunstkritiker (Darmstadt)

Es erscheint ein Katalog.

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Ausstellungsort: 

Mauritiusgalerie (ehemalige Suppes-Fläche), Mauritiusstrasse 5, 65183 Wiesbaden

Öffnungszeiten:

Dienstag - Samstag  16 - 20 Uhr

Veranstaltungsinformationen zu und während EMPTY_ROOMS erhalten Sie auf der facebook-Gruppe NIZZA DES NORDENS.

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Abbildung Titel: Oliver Fluck Fotografie, Diasec, 2011

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EINFÜHRUNG (Katalogtext)

NDN Pop-Up-Store – Temporäre Kunsthalle EMPTY_ROOMS in der MauritiusgalerieWächst da, wenn leere Räume zu lange sich selbst überlassen sind, nicht etwas, wie Kristalle in einer Nährsalz- lösung? Schlägt da nicht nach einiger Zeit eine Art psychischer Schimmel aus den Wänden? Bekommen der Staub und die Stille, die Spinnweben und die Zeitlosigkeit, das Kondenswasser und die Mikrobennester nicht irgendwann spuk- hafte Gesellschaft? Es gibt keinen Grund, warum nur mittelalterliche Schlösser und nicht auch Einkaufspaläste, sogar erst 1989 eröffnete, ihre Gespenster haben sollten. Freilich von besonderem Charakter. Etwa der Geist der ertappten Ladendiebin, die nimmermüde ihre Unschuld beteuert, die harte Hand - und nur die Hand - des Kaufhausdetektivs noch im Genick. Oder der Geist des Kindes, das im Manhattan der prallgefüllten Regalreihen verlorengegangen ist, verdammt zu einem wimmernden Klageton, der nun nie in den Stimmbruch kommt. Oder der Geist des Filialleiters, der sich, weil er im dritten Jahr in Folge die vom Konzernmanagement geforderte Umsatzquote nicht erzielte, irgendwann nach Geschäftsschluss erhängt hat und jetzt bis zum Jüngsten Tag alte Kalkulationen nochmals durchrechnet. Andererseits - hinterlassen wirklich nur Menschen ihre Nachbilder und Wiedergänger in schicksalsaufgeladenen Räumen? Sonst wäre auch der Geist der Registrierkasse zu nennen, deren Geldschublade unentwegt auf- und zuspringt. Oder der Geist der Klimaanlage, die auf vollen Touren läuft, ohne doch die Temperatur je aus dem frösteligen Bereich klettern zu lassen. Oder die Geister der falsch ausgepreisten, der übers Verfallsdatum hinaus angebotenen Waren, die Geister von Schokoladetafeln und Kaffeepaketen, T-Shirts und Turnschuhen, die nur dank Kinderarbeit in Drittweltländern so billig angeboten werden konnten …

EMPTY_ROOMS KUNSTHALLEBei Auftreten von Spuk in leerstehenden Immobilien sind zwei Vorgehensweisen üblich. Erstens: entweder als unver-mietbar abschreiben und verfallen lassen. Zweitens: einen Priester mit dem Exorzismus nach jahrhundertealtem, kanonisch festgelegtem Ritual betrauen; mit Weihwasser rückt man störenden Geistern immer doch wirkungsvoller zuleibe als mit Magnetfeldmessern und Nachtsichtkameras. In den letzten zehn, zwanzig Jahren ist zudem eine immer noch wachsende Tendenz ablesbar, Leerstand - in privater oder öffentlicher Hand, Läden, Büros, Fabrikhallen, Hotels oder Schulen, Behördenhäuser, Bahnhöfe, offengelassene Kirchen - auf bestimmte Dauer und zu Vorzugskonditionen Personen beziehungsweise Initiativen aus dem kulturellen Bereich zu überlassen, die ohnehin notorisch knapp bei Kasse sind. „Zwischennutzung”, „Neubespielung”, „künstlerische Intervention” sind seither häufig gehörte Schlagworte. Ob die Kunst dabei den Exorzismus leistet oder womöglich gar neue Spukerscheinungen heraufbeschört, ist von sekundärem Belang. Dass es in ihr nämlich nicht ganz ohne Geist abgeht, dürften auch Verächter des Zeitgenössischen zugestehen. Aus der Sicht des Eigentümers wichtiger ist, dass sein Interesse sich vorerst mit dem des Nutznießers deckt: Instandhaltung, wenn nicht gar Aufwertung der Immobilie. Dem wird jeder Künstler, der ein Atelier bezieht, ebenso zustimmen wie jede Band, die einen Probenkeller, jede Theatergruppe, die eine Bühne für Auftritte, jeder Galerist, der einen Schauraum braucht. Größer angelegte Projekte konnten bereits in Dortmund, Düsseldorf, Hamburg, Bremen, Leipzig, Freiburg, Mannheim, München und natürlich Berlin durchgeführt werden. Durch Ballung derartiger kreativer Produktions- und Präsentationsorte ist es, über die allgemeine Förderung von nachbarschaftlicher Identität und Lebensqualität hinaus, bisweilen sogar gelungen, ganze Problemviertel zu stabilisieren und wieder aufzuwerten. Längst haben die Kommunen erkannt, dass den „Zwischennutzungen” mittlerweile strategische Bedeutung für die Stadtplanung zukommt. Und dass Kreativschaffende oft als Immobilienscouts agieren. Das große Vorbild liegt überm Großen Teich: New Yorks Stadtviertel SoHo (South of Houston Street), voller architektonisch hochsolider Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, darin einst Manufakturen untergebracht waren, danach jedoch, im Gefolge ökonomischer Umbrüche, heruntergekommen. Die geräumigen, mit großen Fenstern ausgestatteten Lofts zogen seit den siebziger Jahren Künstler an, die Parterrewohnungen Galerien. Als SoHo in den achtziger Jahren „in” wurde und wohlhabendere Schichten nachrückten, wich ein Teil der Kunstszene nach Chelsea aus. Als dauerhafter Effekt jedoch blieb, was im Soziologendeutsch „Nobilitierung” heißt.

Ausstellungsansicht EMPTY_ROOMS in der Mauritiusgalerie Wiesbaden„Eine kleine Geisterstadt” - so ist die Mauritiusgalerie mit ihren verödeten Ladenlokalen und Passagen in der Presse tatsächlich schon genannt worden. Die Zeiten des Schlummers aber sind vorbei. Unumstößlich ist vom Magistrat Wiesbaden beschlossen, dass noch im laufenden Jahr die Stadtbibliothek ihren Einzug halten wird. (Sankt Mauritius als Schutzpatron wird’s freuen.) Damit freilich zwischen den analogen und digitalen Bibliotheksbeständen auch alles mit rechten Dingen zugeht, muss vorher noch der Exorzismus durchgeführt werden. Mit dem Gegenspuk von Fotografie, Video, Objekt, Installation vertreiben die von Leander Rubrecht aufgebotenen Künstler die Sprachlosigkeit, nehmen sie die zur Verfügung gestellte Sphäre zwei- und dreidimensional in Beschlag, fegen sie jeden Anflug von Agoraphobie und Tristesse brüsk zur Seite. Präsentiert werden … unterschiedliche schöpferische Positionen, die, soweit nicht direkt vor Ort produziert, doch situativ entwickelt wurden in Reaktion auf das Gebäude, seine räumlichen, funktionalen, atmosphärischen Gegebenheiten. Neue Sichtweisen auf Altbekanntes werden geweckt. Daher der Rapport zu „Architektur und Aktuelle Kunst”, Motto des diesjährigen Architektursommers Rhein-Main. Für knapp vier Wochen erlebt das einstige Einkaufsparadies eine Auferstehung als temporäre Kunsthalle. Und nutzt so die Chance, sich dem Publikum wieder einzuprägen als Adresse, die man künftig nicht mehr links liegen lassen sollte. Ein neues Image kann sich herauskristallisieren. Denn Leander Rubrechts EMPTY_ROOMS-Projekt vermag zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: „Kultur braucht Raum - Leerstand braucht ein Image.”

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Dr. Roland Held, Darmstadt, 2011

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Hauptförderer

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Kooperationspartner

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